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280 Meter Erdgeschichte

Wenn es um den präzisen geologischen Aufbau des Untergrunds geht, tappt man, im wahrsten Sinne des Wortes, schnell im Dunkeln. Licht in die Dunkelheit bringen Erkundungsbohrungen. Sie sorgen für seltene Einblicke und für viel Spannung in unserer Basler Niederlassung.

Holzkiste um Holzkiste hat sich bis vor wenigen Tagen in einem Bohrkernlager in Schweizerhalle-Pratteln angesammelt. Darin befindet sich das eindrückliche Abbild unseres Untergrunds: Die Bohrkerne einer aktuellen Salz-Erkundungsbohrung. Wären die jeweils 1 Meter langen Kisten nicht längsseitig aneinandergereiht, sondern in einer Linie angeordnet, würde sich ein 280 Meter langer Steinzylinder ergeben. Oder auch ein 280 Meter langer Zeitstrahl: Die ältesten Abschnitte des Bohrkerns sind immerhin fast 250 Millionen Jahre alt. Das bekommt man selbst als Geologe nicht alle Tage zu sehen.

Bildlich gesprochen handelt es sich bei diesen Steinzylindern um den Schein einer Taschenlampe, mit der man durch eine riesige, dunkle Halle tappt – auf der Suche nach dem Lichtschalter.

Im Rahmen einer solchen geologischen Erkundungskampagne, wie wir sie aktuell für die Schweizer Salinen AG durchführen, werden die geologischen Verhältnisse im Untergrund analysiert. Es ist also eine Art Bestandsaufnahme des Untergrunds. Nachdem sämtliche bereits vorhandenen Daten eingehend studiert und das Gebiet begangen und kartiert wurde, hat man meist schon eine erste Modellvorstellung, wie der Untergrund aufgebaut sein könnte. Um dieses Modell aber entscheidend zu verfeinern, können in einem nächsten Schritt geophysikalische Messmethoden, aber auch Erkundungsbohrungen eingesetzt werden. Während geophysikalische Messungen (z.B. Seismik und Geoelektrik) einen generellen, grossräumigeren Überblick über geologische Verhältnisse im Untergrund liefern, haben Erkundungsbohrungen den grossen Vorteil, dass tiefliegende Gesteinsschichten und Grundwasserverhältnisse eingehend analysiert und beprobt werden können. Somit liefern Erkundungsbohrungen belastbare, harte Daten des Untergrundes.

Durch ein Netz aus Erkundungsbohrungen kann der Untergrund systematisch erforscht werden. So geht es aktuell darum, die Geologie eines möglichen Salzabbaugebiets so detailliert wie möglich zu verstehen. Insbesondere sollen dabei die Mächtigkeit des Salzlagers, die Beschaffenheit des Deckgebirges über der Salzlagerstätte sowie die lokalen Grundwasserverhältnisse studiert werden. Auf diese Weise wird eine wichtige Grundlage geschaffen um zu beurteilen, ob sich der Standort für einen zukünftigen Salzabbau durch die Schweizer Salinen AG eignen würde.

Die geologische Begleitung und Auswertung dieser Erkundungsbohrungen sorgt derzeit für viel Spannung und Interesse bei unseren Besuchen im Bohrkernlager: Bestätigen die neu gewonnenen Bohrkerne unsere Modellvorstellung? In welcher Tiefe liegt das Salzlager? Und wie dick ist der Salzhorizont wirklich? So oder so können wir es kaum erwarten, die neu gewonnenen Daten zu interpretieren und das geologische Wissen des erkundeten Gebiets zu festigen und zu verfeinern.

Tobias Brehm
Geologe
Tobias Brehm ist Geologe und arbeitet seit 2019 bei GEOTEST Basel.
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