Detail

Blog

Neubau oder Sanierung? Zustandsuntersuchungen am Reservoir Pleer

Mit dem Ziel, die Lebensdauer des Wasserreservoirs Pleer in Burgdorf um mindestens 50 Jahre zu verlĂ€ngern, wurde dieses einer umfangreichen Zustandsuntersuchung unterzogen. Dabei hat die GEOTEST AG in Zusammenarbeit mit einem Partner erstmals eine vollumfĂ€ngliche materialtechnologische Untersuchung und statische Tragwerksanalyse im Gesamtpaket ausgefĂŒhrt.

Neu bauen oder sanieren? Diese Frage stellte sich die Localnet AG, Betreiberin des Wasserreservoirs Pleer in Burgdorf. Damit sie die beiden Varianten richtig abwÀgen konnte, hat GEOTEST in einem ersten Schritt eingehend den Aufbau, das Tragwerk und den Zustand der zwei BehÀlter des Wasserreservoirs untersucht.

Der Eingang in die Unterwelt: Via Schacht gelangt man in die zwei BehÀlter des Reservoirs Pleer.

Im Verlaufe der Zeit hat das Wasser an den WÀnden der BehÀlter seine Spuren hinterlassen.

Zerstörungsfreie Bewehrungsmessung mit Georadar an der Aussenwand.

Um den gesamthaften Zustand der beiden BehĂ€lter des Reservoirs beurteilen zu können, wurden an relevanten Stellen gezielt umfangreiche Materialbeprobungen ausgefĂŒhrt. Die grösste Herausforderung dabei war, dass die ĂŒber 100 Jahre alten BehĂ€lter bei den Eingriffen ins Bauwerk so unversehrt wie möglich blieben. Mittels zerstörungsfreier, respektive zerstörungsarmer PrĂŒfverfahren konnten schliesslich aussagekrĂ€ftige Informationen sowohl ĂŒber deren Aufbau (Materialisierung und Geometrie) als auch ĂŒber deren Zustand gewonnen werden.

Aber nicht nur Aufbau und Zustand, sondern auch die Statik musste erstmal ermittelt werden, da fĂŒr das Reservoir keine Bauunterlagen vorhanden waren. Zudem war bis dato keine Bestandsaufnahme in diesem Masse durchgefĂŒhrt worden. FĂŒr die statische TragwerksprĂŒfung galt es also, neben den Zustandsuntersuchungen ebenso statisch wichtige Parameter wie BauteilstĂ€rken, Bewehrungssystem, etc. herauszufinden.

Gezielte Spitzsondagen am Unterzug des Reservoirs.

Phenolphthalein-Test zur Bestimmung der Karbonatisierungstiefe.

Bohrkernentnahme aus der Bodenplatte zur Bestimmung der Materialisierung und der exakten BauteilstÀrke.

Unter BerĂŒcksichtigung einer betrieblichen Instandsetzung konnten wir in Zusammenarbeit mit Mantegani & Wysseier AG zum Schluss mit allen gewonnenen Erkenntnissen ein auf die beiden BehĂ€lter des Reservoirs angepasstes Massnahmenkonzept erarbeiten, das die Anforderungen des heutigen Standards erfĂŒllt und die Lebensdauer um mindestens 50 Jahre verlĂ€ngert.

Ob eine Sanierung tatsĂ€chlich umgesetzt wird, ist trotzdem noch unklar. Es stellte sich nĂ€mlich heraus, dass der Aufwand fĂŒr eine vollumfĂ€ngliche Sanierung ca. 75% der Kosten eines Neubaus in Anspruch nehmen wĂŒrde. Ein Neubau hingegen könnte eine Nutzung fĂŒr die nĂ€chsten 80 bis 100 Jahre garantieren.

Unsere zerstörungsfreien Untersuchungsmethoden


Georadar

Eigentlich zur Erkundung der oberen Erdschichten gedacht, wird dieses PrĂŒfverfahren sehr erfolgreich auch in der Zustandsuntersuchung von Bauwerken eingesetzt. Mit den vom MessgerĂ€t ausgesendeten und wieder empfangenen, elektromagnetischen Wellen lassen sich Tiefenschnitte durch das Bauteil, sogenannte Radargramme, darstellen. Die elektromagnetischen Wellen reflektieren, wenn sie auf die Bewehrung oder auf die RĂŒckwand des untersuchten Bauteils treffen. Dem Radargramm lassen sich schliesslich wichtige Parameter wie die BewehrungsĂŒberdeckung oder die Bauteildicke entnehmen.

Ferroscan

Das Ferroscan ist ein magnetisches Induktionsverfahren. Es funktioniert Ă€hnlich wie das Georadar, ist aber in seiner Funktionsweise auf die Detektion von Bewehrungseisen begrenzt. So lassen sich wichtige Kenngrössen zur vorhandenen Bewehrung (Bewehrungsteilung, BetonĂŒberdeckung, und ggf. sogar DurchmesserabschĂ€tzung) herleiten.

BetonprĂŒfhammer

Je nach Betondruckfestigkeit prallt der PrĂŒfhammer unterschiedlich von der untersuchten BetonoberflĂ€che ab. Aus dem RĂŒckprall kann schliesslich die Druckfestigkeit des Betons (an gemessener Stelle) abgeschĂ€tzt werden. Im Vergleich zu einer normkonformen DruckfestigkeitsprĂŒfung im Labor ermöglicht diese Methode einen schnellen Überblick ĂŒber den Bauteilzustand und hat gegenĂŒber der Bohrkernentnahme den Vorteil, dass auch statisch wichtige oder schwer zugĂ€ngliche Stellen untersucht werden können.

Deniz-Can Eyicobanli
Projektleiter Bauwerkserhaltung
Deniz-Can Eyicobanli hat konstruktiven Ingenieurbau studiert und ist spezialisiert auf die Erhaltung von Bauwerken.
zum Anfang der Seite