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Umgang mit spontanen Gletschersee-Entleerungen

Plaine Morte
Lenk BE 2018 - heute

Im Sommer 2018 ist es durch die spontane Entleerung des Gletschersees «Faverges» auf der Plaine Morte zu massiven Überschwemmungen an der Lenk im Simmental gekommen. Ein von der GEOTEST AG evaluierter künstlicher Eiskanal stellte bereits im Folgejahr eine kontrollierte Seeentleerung sicher.

Seit die Oberfläche des Plaine-Morte-Gletschers zwischen Crans-Montana und der Lenk i.S. unter das Niveau der südöstlichen Wasserscheide abgeschmolzen ist, kann oberflächliches Schmelzwasser nicht mehr in Richtung Wallis abfliessen. So ist der Gletscherrandsee «Faverges» entstanden. Der See ist in den letzten Jahrzehnten immer grösser geworden – und damit auch die jährliche Entleerung im Sommer nach der Schneeschmelze. Im Sommer 2018 kam es schliesslich zu einer schlagartigen Entleerung des Sees und immensen Schäden durch Überflutungen an der Lenk.

Die seit 2013 von GEOTEST analysierte Entwicklung zeigt, dass sich der Gletschersee, bedingt durch das beschleunigte Absenken der Gletscheroberfläche, laufend vergrössert. Massnahmen zur Verhinderung der schlagartigen Entleerung des sich jährlich neu bildenden Gletschersees waren deshalb zwingend. GEOTEST hat in der Folge mit einer Expertengruppe und den örtlichen Behörden eine ausführliche Massnahmenevaluation durchgeführt.

Schliesslich wurde jene Variante umgesetzt, die am schnellsten realisierbar war und noch vor der nächsten Seeentleerung umgesetzt werden konnte.

Im Frühling 2019 wurde innerhalb von nur 2,5 Monaten unter ausserordentlich anspruchsvollen Hochgebirgs-Bedingungen ein künstlicher Abflusskanal im Eis erstellt. Dieser reduziert das Seevolumen kontinuierlich, indem er das Wasser in Richtung Lenk ableitet. Die Massnahme hat in diverser Hinsicht Pioniercharakter. GEOTEST übernahm bei der baulichen Realisierung des Kanals die Oberbauleitung, die glaziologische Fachbauleitung, die Erarbeitung des Sicherheitskonzeptes und das Monitoring.

Die kontrollierte Seeabsenkung auf ein tolerierbares Volumen hat 2019 planmässig funktioniert. Im Winter verfüllte sich der künstliche Eiskanal allerdings mit Schnee, wodurch der Abfluss im Sommer 2020 stark beeinträchtigt wurde. Entsprechend wird die Wirksamkeit der Massnahme weiterhin verbessert, beobachtet und beurteilt, um den Kanal wo nötig anzupassen und so den Abfluss auch in Zukunft sicherzustellen.

Klicken Sie hier um in einem virtuellen Rundgang auf dem Plaine-Morte-Gletscher mehr über das Projekt zu erfahren.

In der ersten Bauphase wurde auf einer Teilstrecke ein Mikrotunnel gebohrt - zum ersten Mal überhaupt auf einem Schweiz Gletscher.

Beidseits des Mikrotunnels wurde mit Baggern ein Eiskanal ausgehoben, um das Wasser des Gletschersees oberflächlich abzuleiten.

Sicht auf den Eiskanal und die natürliche Gletschermühle am Westende des Gletschers.

Auftraggeberin

Kontaktperson

Isabelle Kull

Dipl. Geographin

Projektleiterin

Isabelle.Kull@geotest.ch

+41 31 910 01 61

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