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Gefahrenmanagement der Murgänge im Spreitgraben, Guttannen

TOBLER D., KULL I., HÄHLEN N. (2012)

Swiss bulletin für angewandte Geologie, Vol. 17/2,2012, S. 53-61

Seit 2009 treten im Spreitgraben bei Guttannen im Berner Oberland jährlich mehrmals sehr grosse Murgänge auf, welche bis Ende 2011 über 600‘000 m3 Material in die Aare verfrachteten. Die Murgänge haben ihren Ursprung in einem aktiven Felssturzgebiet in der vermutlich mit Permafrost durchsetzten Nordflanke des über 3‘000 m hohen Ritzlihorns. Sie führen dazu, dass Gebäude aufgegeben und Infrastrukturanlagen aufwändig gesichert oder sogar verlegt werden müssen. 2011 wurde durch Murgänge ein neues Teil-Einzugsgebiet aktiviert und hat, unabhängig vom Felssturzgebiet, erneut sehr grosse Geschiebemassen ins Tal verfrachtet. Aufgrund umfangreicher Analysen des gesamten Systems sowie der Ereignisse konnten Szenarien basierte Prognosemodellierungen mit dem Murgangmodell RAMMS vorgenommen werden.

Zur Sicherheit der Kantonsstrasse sowie gefährdeter Gebäude und Infrastrukturanlagen wird seit 2010 ein automatisches, redundantes Überwachungs- und Alarmierungssystem betrieben. Sobald mindestens eine Komponente der Anlage (Reissleinen, Geophone, Gerinneradar) einen Murgang detektiert, werden die Ampeln auf der Kantonsstrasse automatisch auf Rot gestellt und die Sicherheitsverantwortlichen per SMS informiert. Um die Entwicklung im Einzugsgebiet sowie entlang des Grabens zu beobachten, werden Überwachungskameras eingesetzt. Ein umfangreiches Überwachungskonzept definiert die Funktionsweise und die einzelnen Elemente der Überwachung sowie die Aufgaben und Kompetenzen aller weiteren Akteure.