Im Kanton Bern werden im Rahmen des Projekts ProBE Hangmuren neue, wahrscheinlichkeitsbasierte Grundlagen für die Beurteilung spontaner Rutschungen erarbeitet. Einen zentralen Beitrag dazu leistete die GEOTEST AG, die für die Modellierung der Auslösewahrscheinlichkeit verantwortlich war.

Damit wird ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen Naturgefahrenbeurteilung gemacht: Statt mit wenigen ausgewählten Szenarien zu arbeiten, rücken zunehmend räumlich differenzierte Wahrscheinlichkeiten, sowie die Modellierung vieler möglicher Ereignisse in den Fokus. 

Modellierung der Auslösewahrscheinlichkeit
 

Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass sich an einem bestimmten Ort eine Hangmure auslöst. Die Auslösewahrscheinlichkeit wird dabei als Kombination mehrerer Faktoren beschrieben: 

  • physikalische Eigenschaften des Untergrunds  

  • räumliche Disposition  

  • Häufigkeit von Ereignissen  

Dieser modulare Ansatz ermöglicht eine differenzierte und nachvollziehbare Bewertung der Gefährdung. 

Machine Learning liefert die besten Resultate
 

Für die Modellierung der räumlichen Disposition wurden verschiedene Ansätze getestet. Die besten Ergebnisse erzielte ein Machine Learning Ansatz (multiple logistische Regression), welcher statistisch vorhersagt, wie wahrscheinlich es ist, ob an einem Ort ein Ereignis eintritt oder nicht (Ja/Nein). Auf dieser Basis wird ausgewertet, wie stark verschiedene Einflussfaktoren die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses bestimmen.
 

Die Analyse zeigte, dass dieser Ansatz eine besonders gute Differenzierung zwischen stabilen und instabilen Bereichen ermöglicht.  

Gleichzeitig ist die Methode vielseitig einsetzbar und kann auch auf andere Fragestellungen übertragen werden, etwa in der Risikoanalyse oder bei weiteren Naturgefahrenprozessen. 

Modellierte Wahrscheinlichkeit des lokalen Auftretens (Disposition)

Modellierte Wahrscheinlichkeit des lokalen Auftretens (Disposition)

Konkrete Grundlagen für Planung und Risikobeurteilung 
 

Aus dem Projekt resultieren verschiedene Geodatenprodukte, darunter: 

  • Karten der räumlichen Disposition  

  • Datensätze zu Anrissflächen und Ereignishäufigkeiten  

  • Raster der Auslösewahrscheinlichkeit 


Diese Grundlagen können direkt in der Praxis eingesetzt werden, beispielsweise für: 

  • Gefahrenbeurteilungen  

  • raumplanerische Entscheide  

  • Risikomanagement 

Mittelwert der Häufigkeitsverteilung von Anrissflächen über den Kanton

Mittelwert der Häufigkeitsverteilung von Anrissflächen über den Kanton

Korrigierte mittlere Wiederkehrperiode in Jahren pro Prozessquelle

Korrigierte mittlere Wiederkehrperiode in Jahren pro Prozessquelle

Teil eines kantonalen Strategiewechsels 
 

Die Arbeiten stehen im Kontext der neuen kantonalen Beurteilungsgrundlagen für Hangmuren. Diese verfolgen das Ziel, Naturgefahren künftig stärker probabilistisch zu bewerten und Unsicherheiten explizit zu berücksichtigen. 

Die durch die GEOTEST AG entwickelten Modelle liefern hierfür eine zentrale fachliche Grundlage und zeigen, wie sich solche Ansätze in der Praxis umsetzen lassen.

Gute Datenlage als entscheidender Erfolgsfaktor 
 

Die Arbeiten im Kanton Bern konnten auf eine aussergewöhnlich umfassende Datengrundlage aufbauen. Dazu zählen unter anderem: 

  • zehntausende dokumentierte Hangmuren-Ereignisse  

  • detaillierte Geländemodelle  

  • vielfältige Datensätze zu Hydrologie, Geologie und Waldbedeckung 

Diese Datenbasis ermöglichte eine flächendeckende und robuste Modellierung. Gleichzeitig zeigt das Projekt deutlich: 

Solche Analysen sind nur dort zielführend, wo entsprechende Grundlagen vorhanden sind. 
 

Für Anwendungen in anderen Regionen bedeutet dies, dass vergleichbare Datensätze verwendet werden müssen. Im Kanton Bern waren vor allem die sehr gute Ereignis-Dokumentation und der Datensatz zum Wald-Deckungsgrad, die zur Verfügung stand, sehr wertvoll für die Qualität und Aussagekraft der Modellierung. Die Methodik der GEOTEST AG ist darauf ausgelegt, mit unterschiedlichen Datenverfügbarkeiten umzugehen. Gleichzeitig bleibt eine gute Datengrundlage zentral, um belastbare und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.

Übertragbarer Ansatz mit Zukunftspotenzial 


Das Projekt macht deutlich, dass moderne Naturgefahrenanalysen auf zwei zentralen Pfeilern beruhen: 

  • qualitativ hochwertigen Daten  

  • flexiblen, datengetriebenen Methoden  

Die von der GEOTEST AG entwickelte Methodik ist daher nicht nur für den Kanton Bern relevant, sondern bietet auch Potenzial für Anwendungen in anderen Regionen und bei weiteren Fragestellungen. 

Referenzen

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