Eine Gesetzesänderung in der Schweiz verlangt, dass aus Kehrrichtschlacke mehr Wertstoffe zurückgewonnen werden sollen. Um dieser Forderung gerecht zu werden, wird Schlacke nach der Kehrichtverbrennung trocken weiterverarbeitet und kommt neu als sog. Trockenschlacke zu den Deponien zur Ablagerung, wo sie befeuchtet, gemischt und verdichtet eingebaut wird.

Dies erfolgt in der Typ D Deponie Unterrealta Nord in Cazis. Sie ist die Erste ihrer Art. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit, ist sie die erste Deponie, welche von Anfang an nur mit Trockenschlacke beliefert wird.  

Die GEOTEST AG spielte bei der Realisierung dieses anspruchsvollen Projekts eine zentrale Rolle. Sie übernahm die Gesamtleitung, einschliesslich der Beschaffung, Leitung und Koordination aller Planer- und Unternehmerleistungen für den Bau. Ausserdem war die GEOTEST verantwortlich für die Fachplanung in den Bereichen Deponietechnik, Erdbau sowie mineralische und bituminöse Abdichtungen. 


Das Projekt

Die neue Deponie Unterrealta Nord ist seit Herbst 2024 in Betrieb und stellt die Nachfolgedeponie der 2022 abgeschlossenen und rekultivierten Deponie Unterrealta Süd dar, für deren Bau ebenfalls die GEOTEST AG verantwortlich war. Sie kann während ihrer geplanten Betriebsdauer von 30 Jahren rund 300‘000 m3 Abfall des Typs D, also Schlacke und Filterasche aus der Kehrrichtverbrennung, aufnehmen.   
 

Im Gegensatz zu herkömmlichen Deponien verarbeitet die Anlage ausschliesslich Trockenschlacke, die vor Ort mit aufgefangenem Sickerwasser und zusätzlich zugeführten Nutzwasser befeuchtet wird. Anschliessend erfolgt der Einbau fachgerecht in der Deponie. 

Übersicht über das Bauwerk der Deponie

Übersicht über das Bauwerk der Deponie

Die GEOTEST AG führte dieses Projekt im Auftrag der Bauherrin GEVAG (Gemeindeverband für Abfallentsorgung in Graubünden) durch. Die GEVAG nutzt die Deponie zur Ablagerung der Rückstände aus der Kehrrichtverbrennungsanlage in Trimmis und der Aufbereitungsanlage in KEZO in Hinwil. 


Der Bau 

Baubeginn der Deponie Nord war im Jahr 2022. Der Aushub für das Deponiebauwerk erfolgte mit modernster Technik: GPS- und LPS-gesteuerte Baumaschinen führten die Arbeiten präzise nach digitalen 3D-Modellen aus. Lockergestein wurde vor Ort aufbereitet und wiederverwendet, sei es als Grundmaterial für die mineralische Abdichtung oder als zementstabilisiertes Dammbaumaterial für den Abschlussdamm.  

Aufbereitung von Material aus dem Hangabtrag für die projektgemässen Verwertungen. In der Mitte die Siebanlage, die mit dem 40to Bagger beschickt wird.

Aufbereitung von Material aus dem Hangabtrag für die projektgemässen Verwertungen. In der Mitte die Siebanlage, die mit dem 40to Bagger beschickt wird.

Erstellen des 1. Drainagehorizont zur Entlastung möglicher Hangwasserführungen

Erstellen des 1. Drainagehorizont zur Entlastung möglicher Hangwasserführungen


Entwässerungsleitungen für das Hangsickerwasser unterhalb des Abdichtungshorizonts.

Entwässerungsleitungen für das Hangsickerwasser unterhalb des Abdichtungshorizonts.


Fassungs- und Kontrollbauwerk

Zur Entwässerung des Hangs als Untergrund des neuen Deponiebauwerks und zur Sicherstellung der Stabilität wurden drei Entwässerungshorizonte aus aufwärts geführten Drainagebohrungen erstellt.  

Die Wasserfassung in der Deponie spielt eine zentrale Rolle. Hier im Bild die Ableitung der Meteorwässer am Rand der zukünftigen Abdichtung.

Die Wasserfassung in der Deponie spielt eine zentrale Rolle. Hier im Bild die Ableitung der Meteorwässer am Rand der zukünftigen Abdichtung.


Im Fassungs- und Kontrollbauwerk wird das Wasser gesammelt und überwacht.

Im Fassungs- und Kontrollbauwerk wird das Wasser gesammelt und überwacht.

Im Bauwerk werden die Wässer der beiden Horizonte getrennt gesammelt und abgeleitet: Sauberwasser aus dem Kontrollhorizont unter der Abdichtung zum Vorfluter, Sickerwasser aus dem Horizont über der Abdichtung zur Kanalisation. 

Das Bauwerk wurde mit dem Abschlussdamm überbaut.

Das Bauwerk wurde mit dem Abschlussdamm überbaut.

Gedrosselter Zulauf des Sickerwassers aus den drei siphonierten Endstutzen der Sickerwasserleitungen.

Gedrosselter Zulauf des Sickerwassers aus den drei siphonierten Endstutzen der Sickerwasserleitungen.

Funktions- und Betriebsschema des Fassungsbauwerks inkl. der Anlagen für die Befeuchtung der Trockenschlacke.

Funktions- und Betriebsschema des Fassungsbauwerks inkl. der Anlagen für die Befeuchtung der Trockenschlacke.


Die Technik – Abdichtung 
 

Als Typ D Deponie verfügt sie an der Deponiesohle und den Flanken über ein mehrschichtiges Abdichtungssystem und zwei Entwässerungs- und Kontrollhorizonte.  Für deren Einbau kamen spezielle Gerätschaften und Spezialunternehmen zum Einsatz. 

Einbau und Abwalzen Flächenfilter, im Vordergrund die eingebaute erste Schicht der geologischen Ersatzbarriere.

Einbau und Abwalzen Flächenfilter, im Vordergrund die eingebaute erste Schicht der geologischen Ersatzbarriere.

Der Aufbau der mineralischen Abdichtung erfolgt in mehreren Schichten.

Der Aufbau der mineralischen Abdichtung erfolgt in mehreren Schichten.

Einbau Dichtungsasphalt als technische Abdichtung bestehend aus der Tragschicht 5 cm und Dichtungsschicht 7 cm.

Einbau Dichtungsasphalt als technische Abdichtung bestehend aus der Tragschicht 5 cm und Dichtungsschicht 7 cm.


Schichtaufbau Flankenabdichtung

Schichtaufbau Flankenabdichtung

Nach dem Bau der Flanke wurde die Sohle abgedichtet. Hier wurde die technische Abdichtung mineralisch umgesetzt. Dafür kam ein in den Niederlanden entwickeltes polymervergütetes Abdichtungsprodukt namens Trisoplast ® zu Einsatz. 

Präziser Schichtauftrag von Trisoplast vor dem Verdichten. Um ein Austrocknen oder Aufquellen zu verhindern, wird die Schicht unmittelbar mit Filtermaterial abgedeckt und beschwert.

Präziser Schichtauftrag von Trisoplast vor dem Verdichten. Um ein Austrocknen oder Aufquellen zu verhindern, wird die Schicht unmittelbar mit Filtermaterial abgedeckt und beschwert.

Schichtaufbau Deponiebasis mit dem Sickerwassergraben, der als Längsentwässerung fungiert.

Schichtaufbau Deponiebasis mit dem Sickerwassergraben, der als Längsentwässerung fungiert.

Unter der technischen Leitung der GEOTEST AG wurden alle Abdichtungsschichten – von der mineralischen Basis bis zur bituminösen Deckabdichtung – präzise eingebaut und fortlaufend qualitätsgeprüft. 


Die Technik – Entwässerung

  

Ziel ist es, den Kontakt von sauberem Wasser mit den Abfällen möglichst zu vermeiden. Auf der Deponie werden zwei Wasserpfade unterschieden: Sauberwasser und Sickerwasser.  

Nach diesem Schema wird das Sicker- und Meteorwasser abgeleitet.

Nach diesem Schema wird das Sicker- und Meteorwasser abgeleitet.

Regenwasser, das offene Betriebsflächen oder den Abfallkörper erreicht, wird als Sickerwasser gesammelt. Dieses wird zur Befeuchtung der Trockenschlacke genutzt; überschüssiges Wasser wird gedrosselt in die Kanalisation eingeleitet. 

 

Wasser, das vom Hang in den Filter hinter der Abdichtung dringt, sowie gefasstes Meteorwasser um die Deponie wird als sog. Sauberwasser gesammelt. Die Qualität wird periodisch analysiert und überprüft, um die einwandfreie Dichtwirkung der Abdichtung sicherzustellen. Weder Abfallstoffe noch verunreinigtes Wasser darf in die Umwelt gelangen. Das Sauberwasser wird dem Unterrealtabach östlich der Kantonsstrasse zugeführt.  
 

Um die Sickerwassermengen zu reduzieren sind zudem an der Flanke drei Entwässerungsrinnen, sog. Leitbleche versetzt. Diese leiten Meteorwasser an der Flanke vor Kontakt mit dem Deponiekörper seitlich ab und können so dem Vorfluter zugeführt werden. 

Die Leitbleche am Hang der Deponie leiten das Regenwasser ab, damit es nicht mit der Schlacke in Berührung kommt.

Die Leitbleche am Hang der Deponie leiten das Regenwasser ab, damit es nicht mit der Schlacke in Berührung kommt.


Die Befeuchtung der Trockenschlacke  


Die Besonderheit der neuen Deponie ist die Befeuchtung der trocken angelieferten Kehrrichtschlacke auf der Deponie selbst.  
 

Der Kehricht wird in der GEVAG verbrannt. Der mineralische, unbrennbare Teil bleibt nebst anderen geringeren Bestandteilen als Kehrrichtschlacke zurück. Diese wurde bis vor kurzem, wie auch in anderen KVA, im Wasserbad zu Nassschlacke verarbeitet und auf der Deponie eingebaut.  
 

Strengere Bestimmungen für die Resteisen- und Nichteisenmetalle forderten eine Reaktion und einen Umbau der Anlage bei der GEVAG. Neu wird die Schlacke in speziellen Containern unter Luftabschluss zu Aufbereitungsanlage der KEZO in Hinwil gebracht und dort entschrottet, bevor die Schlacke trocken und gemahlen an der Deponie in Unterrealta gelangt. 
 

Auf der Deponie werden die Mulden in speziell entwickelten Befeuchtungsmaschinen entladen und gleichzeitig unter Wasserzugabe befeuchtet. So können Emissionen wie Staub, der durch die Entladung entsteht, reduziert werden. 
 

Die GEOTEST koordinierte dabei die Fachplanungen und stellte den Bedarf für die Befeuchtungsanlage sicher. 

Der Container mit der Trockenschlacke wird über eine eigens konstruierte Endlade und Befeuchtungsanalage bewässert und anschliessend in der Deponie eingebaut.

Der Container mit der Trockenschlacke wird über eine eigens konstruierte Endlade und Befeuchtungsanalage bewässert und anschliessend in der Deponie eingebaut.

Für die Befeuchtung der Trockenschlacke wird gefasstes Sickerwasser genutzt, dem bei Bedarf Nutzwasser aus dem Netz zugespeist werden kann, falls nicht genügend Sickerwasser zur Verfügung steht. 


Abschluss und Ausblick 


Die Deponie Unterrealta Nord markiert einen Meilenstein in der Abfallwirtschaft: Als erste Anlage, die vollständig mit Kehrrichtschlacke im Trockenaustrag betrieben wird, ist sie ein Vorreiter für zukünftige Deponien gleicher Art. 
 

Dank der umfassenden Planung und Leitung durch GEOTEST kann die Deponie während ihrer Betriebszeit wertvolle Erkenntnisse für den künftigen Umgang mit Trockenschlacke liefern. Nach Abschluss der Einlagerung wird das Gelände rekultiviert und wieder in die Landschaft integriert – ein nachhaltiger Abschluss für ein echtes Pionierprojekt. 

Etappiert während der Betriebszeit wird die Deponieoberfläche immer wieder abgedichtet, um eine Einsickerung von Meteorwasser in den Deponiekörper zu minimieren. Nach der geplanten Laufzeit von 30 Jahren wird die Deponie vollständig abgedichtet und landwirtschaftlich genutzt.

Etappiert während der Betriebszeit wird die Deponieoberfläche immer wieder abgedichtet, um eine Einsickerung von Meteorwasser in den Deponiekörper zu minimieren. Nach der geplanten Laufzeit von 30 Jahren wird die Deponie vollständig abgedichtet und landwirtschaftlich genutzt.

Auftraggeberin

Referenzen

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