Mehr Raum für die Natur durch zwei Zürcher Wasserbauprojekte
Revitalisierung des Haumesserbachs in Maur
In Maur oberhalb des Greifensees erhielt der Haumesserbach ein neues Gerinne entlang der Schützenhausstrasse. Dadurch kann die angrenzende Bauzone optimal genutzt werden, ohne zusätzliches Kulturland zu beanspruchen. Gleichzeitig wird der Bach dank der Aufhebung einer bestehenden Eindolung neu auf 65 statt 30 Metern offen geführt. Die neue Brücke stellt zudem die Längsvernetzung zum bachabwärts liegenden Tobel sicher. So wird die Hochwassergefährdung reduziert und gleichzeitig ein Mehrwert für die Natur geschaffen.
Zu den Projektzielen gehörten die Wiederherstellung des terrestrischen Gewässerraums, die Vernetzung der aquatischen Lebensräume und die Schaffung von mehr Lebensraum für die Köcherfliege Lype reducta, die auf der Roten Liste als potenziell gefährdet aufgeführt ist.
Bei der Projektierung wurde auf ein strukturreiches Gewässer mit variablen Strömungsverhältnissen geachtet. Faschinen, Wurzelstöcke und Uferbestockung schaffen Lebensräume für Wirbellose. Die Ufervegetation schützt das Gewässer vor übermässiger Erwärmung und bietet Rückzugsorte für die Natur.
Eine Herausforderung während der Ausführung war die Umsiedlung des Makrozoobenthos – der Kleintiere der Gewässersohle –, da der Bach während der Bauzeit in einer Röhre geführt wurde. Ein besonderer Moment für alle Beteiligten war, als das Wasser erstmals durch das neue Gerinne floss. Inzwischen ist das Projekt vollständig abgeschlossen und die Umgebung wieder begrünt. ollem Gange und wird in den nächsten Monaten fertiggestellt. Parallel wird an den beiden Gerinnen noch je ein Schwemmholzrechen erstellt.
Bachgestaltung und Hochwasserschutz in Rickenbach
In Rickenbach wurde die Bachgestaltung zwischen Schmiedegasse und Kellersgasse durch ein anderes Ingenieurunternehmen geplant. GEOTEST verfeinerte die Planung und übernahm Ausschreibung und Realisierung. Auch hier gab eine Überbauung der angrenzenden Parzellen den Anstoss für das Projekt. Eine neue, zurückversetzte und teilweise in die Gebäude integrierte Hochwasserschutzmauer schützt die beiden Neubauten bis zu einem 300-jährlichen Ereignis.
In der dadurch gewonnenen Freihaltezone von bis zu sechs Metern steht eine naturnahe Gerinne- und Böschungsgestaltung im Vordergrund. Gekrümmte Blockschwellen, Buhnen, Wurzelstöcke, Uferfaschinen und Kiesbänke strukturieren den Bachlauf. Eine Niederwasserrinne sorgt dafür, dass auch bei geringem Abfluss ein Teil des Bachbetts ausreichend benetzt bleibt.
In Rickenbach sind die Arbeiten abgeschlossen und die neu gestalteten Flächen wieder begrünt. Die Massnahmen fügen sich heute in die Umgebung ein und schaffen gleichzeitig mehr Raum für das Gewässer.
Beide Projekte zeigen, wie sich Hochwasserschutz, Siedlungsentwicklung und ökologische Aufwertung auch auf kleinem Raum erfolgreich miteinander verbinden lassen.


















