Die GEOTEST AG führte im Auftrag der Gemeinde Scuol in den vergangenen Jahren diverse Altlastenuntersuchungen an stillgelegten Schiessanlagen im Unterengadin durch. 

Scuol

2025

Durch die Fusionierung der früheren Gemeinden Ardez, Ftan, Guarda, Scuol, Sent und Tarasp im Jahr 2015 befinden sich auf dem Gemeindegebiet von Scuol (der flächenmässig grössten Gemeinde der Schweiz) zahlreiche Schiessanlagen, welche untersucht und früher oder später auch saniert werden müssen. In der Zwischenzeit wird nur noch an einem Standort (Urezzas, Ftan) geschossen. 
 

Folgende Schiessanlagen auf dem Gemeindegebiet von Scuol wurden seit 2008 untersucht und zum Teil bereits saniert:

  • 300 m Schiessanlage Ardez 

  • 300 m Schiessanlage Ftan 

  • 300 m Schiessanlage Urezzas, Ftan 

  • 300 m Schiessanlage Guarda 

  • 300 m Schiessanlage alt, Guarda 

  • 300 m Schiessanlage Sent 

  • 300 m Schiessanlage Scuol 

  • Pistolenstand Ardez 

  • Pistolenstand Scuol 

  • Jagdschiessanlage Urezzas, Ftan (100 m, 50 m, 25 m, Kipphase) 

  • Jagdschiessanlage Sur En, Sent (Kipphase) 

Das malerische Dorf Ftan im Unterengadin gehört seit der Fusionierung 2015 zur Gemeinde Scuol.

Das malerische Dorf Ftan im Unterengadin gehört seit der Fusionierung 2015 zur Gemeinde Scuol.

Lage der Schiessanlage im landwirtschaftlich genutzten Bereich.

Lage der Schiessanlage im landwirtschaftlich genutzten Bereich.

Zeigergraben und Scheibennummerierung der ehemaligen 300 m Schiessanlage Scuol.

Zeigergraben und Scheibennummerierung der ehemaligen 300 m Schiessanlage Scuol.

Ziel der Arbeiten ist es, die altlastenrelevanten Belastungen aus dem früheren Schiessbetrieb flächig zu erfassen (XRF-Kartierung) und die Gefährdung der Schutzgüter Boden, Oberflächengewässer und Grundwasser altlastenrechtlich zu beurteilen. Die Technische Untersuchung liefert die Grundlage für das spätere Sanierungsprojekt, welches durch die Fachperson Altlasten vor Ort betreut wird. 

Entlang der Nagelwand zur Strassenseite sorgen viele eingebaute Entwässerungsöffnungen für die kontrollierte Ableitung des Hangwassers.

Entlang der Nagelwand zur Strassenseite sorgen viele eingebaute Entwässerungsöffnungen für die kontrollierte Ableitung des Hangwassers.

Die Untersuchung von belasteten Standorten (wie Schiessanlagen, Deponien, Tankstellen, Industriearealen, etc.) gehören zum interdisziplinären Tätigkeitsfeld der GEOTEST und basieren auf langjähriger Erfahrung in der Bearbeitung zahlreicher vergleichbarer Standorte in der ganzen Schweiz. 
 

Im Rahmen der Abklärungen im Engadin ergaben sich Hinweise auf zusätzliche, bisher nicht im Kataster der belasteten Standorte (KbS) oder am falschen Ort erfasste Kugelfänge. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde die GEOTEST AG mit den ergänzenden Abklärungen beauftragt.  

Die GEOTEST übernahm jeweils die Gesamtprojektleitung für die Abklärungen und Sanierungen und begleitete die Bauherrschaft über sämtliche Projektphasen hinweg.  

Die betroffenen Standorte liegen teilweise in der Landwirtschaftszone und weisen im Bereich der Kugelfänge Schwermetallbelastungen auf, welche die Konzentrationswerte der Altlastenverordnung (AltlV) mehrfach überschreiten. Somit handelt es sich bei den ehemaligen Schiessanlagen um Altlasten (belastete, sanierungsbedürftige Standorte). 

Absetz- und Neutralisationsanlage für die geothermischen Bohrungen.

Die GEOTEST-Mitarbeiterinnen markieren die Punkte des Probenahmerasters mit dem DGPS.

An jedem Punkt wird eine Bodenprobe entnommen und mit dem XRF-Gerät vor Ort analysiert.

An jedem Punkt wird eine Bodenprobe entnommen und mit dem XRF-Gerät vor Ort analysiert.

Die Voruntersuchung von belasteten Standorten gliedert sich in eine Historische Untersuchung (HU) und eine Technische Untersuchung (TU). Im Rahmen der HU werden die altlastenrelevanten Tätigkeiten anhand von historischen Unterlagen (wie Archivunterlagen, alte Luftbilder und Karten, Zeitzeugenbefragungen) dokumentiert. Die TU umfasst bei Schiessanlagen die XRF-Kartierung der Bleibelastung sowie die altlastenrechtliche Beurteilung der Schutzgüter. 

Mit dem handgehaltenen XRF-Gerät...

Mit dem handgehaltenen XRF-Gerät...

...werden die Bodenproben direkt im Gelände analysiert.

...werden die Bodenproben direkt im Gelände analysiert.

Die XRF-Messwerte werden im Feld ausgewertet und das Probenahmeraster wo notwendig verdichtet.

Die XRF-Messwerte werden im Feld ausgewertet und das Probenahmeraster wo notwendig verdichtet.

Auf dem Belastungs- und Aushubplan (GIS-Auswertung) ist die jeweilige Materialkategorie der gemessenen Proben ersichtlich. Die höchsten Belastungen liegen im Einschussbereich der Kugeln, direkt hinter den Scheiben.

Auf dem Belastungs- und Aushubplan (GIS-Auswertung) ist die jeweilige Materialkategorie der gemessenen Proben ersichtlich. Die höchsten Belastungen liegen im Einschussbereich der Kugeln, direkt hinter den Scheiben.

Die Ergebnisse der TU erlauben eine fundierte Beurteilung der Sanierungsbedürftigkeit und bilden eine belastbare Grundlage für die Planung der weiteren Massnahmen. 

Die Untersuchungen liefern der Gemeinde Scuol eine wichtige fachliche Grundlage, um Altlasten aus früheren Schiessanlagen sachlich zu beurteilen und die notwendigen nächsten Schritte sorgfältig zu planen. Wir schätzen die freundliche, hilfsbereite und strukturierte Vorgehensweise der GEOTEST AG sehr.

— Reto Barbüda, Leiter Immobilien, Gemeinde Scuol 

Sanierungsbedürftige Schiessanlagen erfordern eine Altlastensanierung durch Aushub des belasteten Materials. Das Aushubmaterial wird dabei laufend gemäss den Belastungsklassen der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (Abfallverordnung, VVEA) klassiert. Die Triage wird durch die Fachperson Altlasten der GEOTEST vor Ort begleitet (Fachbauleitung). Mit dem handgehaltenen XRF-Gerät werden die Entsorgungsklassen festgelegt und genaue Anweisungen an den Maschinisten erteilt. So lassen sich die Transport- und Entsorgungskosten, welche den Hauptteil der Sanierungskosten ausmachen, auf ein Minimum beschränken. 

Sanierung der 300 m Schiessanlage Sent durch Aushub des belasteten Materials.

Sanierung der 300 m Schiessanlage Sent durch Aushub des belasteten Materials.

Als Projektverfasser der Sanierungsprojekte unterstützt die GEOTEST AG die Bauherrschaft beim Baugesuch (in der Regel ein BAB-Verfahren), bei der Beschaffung des Bauunternehmers (Submission) sowie während der Ausführung im Rahmen einer Fachbauleitung. Sofern erforderlich, werden auch zusätzliche Leistungen (z.B. Umweltbaubegleitung) in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerbüros erbracht. 

Sanierung der Jagdschiessanlage (Kipphase) in Sent, Sur En.

Sanierung der Jagdschiessanlage (Kipphase) in Sent, Sur En.

Das verschmutzte Aushubmaterial wird mit LKWs zur entsprechenden Deponie oder Bodenwaschanlage transportiert.

Das verschmutzte Aushubmaterial wird mit LKWs zur entsprechenden Deponie oder Bodenwaschanlage transportiert.

Schiessanlagen liegen zwar oft in schöner landschaftlicher Umgebung, etwas abseits vom Dorf, sind aber insbesondere im alpinen Raum oft schwer zugänglich. Die Zugänglichkeit für Baumaschinen wird vielerorts schon durch enge Dörfer, Gewichtsbeschränkungen der Zufahrtsstrassen und/oder steiles Gelände stark eingeschränkt. Dies erfordert massgeschneiderte Transportlösungen für jedes Sanierungsprojekt.
 

Weiter gilt es, geschützte Lebensräume wie Trockenwiesen, Feuchtgebiete oder Auengebiete vor baulichen Eingriffen zu schonen. Auch ökologisch wertvolle Strukturen wie Heckengehölze oder Trockenmauern sind an den trockenen Hängen im Unterengadin häufig anzutreffen. Hier gilt es, zusammen mit der Umweltbaubegleitung (UBB) die für die Umwelt verträglichste Lösung zu finden. Dabei ist das richtige Timing der Bauarbeiten in der ohnehin kurzen Vegetationsperiode entscheidend. Nasse Sommer mit täglichem Gewitterregen erfordern Unterbrüche der Aushubarbeiten und kurzfristige Terminänderungen für die ausführende Bauunternehmung. 
 

Aufgrund der langen Transportdistanzen zur Bodenwaschanlage oder in die Deponie gilt es, die benötigten Fuhren mit dem Transportunternehmen gut abzusprechen, sodass am richtigen Tag ausreichend, aber nicht zu viele Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Für eine fachgerechte Rekultivierung der sanierten Flächen ist die Verfügbarkeit von geeignetem Bodenmaterial essenziell. Für den Erfolg der Ansaat der Flächen sind das richtige Saatgut sowie die richtige Temperatur und Bodenfeuchte von entscheidender Bedeutung. 

Die Fachbauleitung ist somit die erste Ansprechperson für Bauherr, Bauunternehmen, Grundeigentümer, Pächter/Bewirtschafter sowie für die UBB. Weiter ist die Fachbauleitung für Ausmasskontrolle sowie für die Erstellung des Sanierungs- und Entsorgungsnachweises zuhanden des kantonalen Amts für Umwelt (ANU GR) verantwortlich, welches schliesslich die Bundesbeiträge an die Sanierung beim Bundesamt für Umwelt BAFU beantragt. 

Bei der Rekultivierung des sanierten Bereichs wird ein standortüblichen Bodenaufbau wiederhergestellt und mit regional angepasstem Saatgut angesät.

Bei der Rekultivierung des sanierten Bereichs wird ein standortüblichen Bodenaufbau wiederhergestellt und mit regional angepasstem Saatgut angesät.

Die sorgfältig geplante Sanierung ehemaliger Schiessanlagen leistet einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.  Schädliche oder lästige Einwirkungen auf die Schutzgüter Boden, Grundwasser und Oberflächengewässer durch den hohen Schadstoffgehalt in den Kugelfängen werden durch den gezielten Abtrag beseitigt. Durch die fachgerechte Rekultivierung der sanierten Bereiche wird die langfristige Nutzung der Flächen – etwa für Landwirtschaft oder Naherholung – auch für zukünftige Generationen gesichert. 

Auftraggeber

Referenzen

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Mit dem handgehaltenen XRF-Gerät...

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