Ein Jahr nach dem Blockschlag auf der A8 Brünigstrasse zeigt sich: Dank rascher Beurteilung vor Ort, fundierter geologischer Analysen und effizienter Zusammenarbeit konnte die Sicherheit nachhaltig wiederhergestellt und eine Totalsperre verhindert werden. Die GEOTEST AG spielte dabei eine zentrale Rolle. 

Als sich am Ereignistag Blöcke und Steine der Felswand lösten und auf die stark befahrene A8 Brünigstrasse im Kanton Obwalden stürzten, war schnelles Handeln gefragt. Neben der unmittelbaren Räumung der Nationalstrasse stand für das zuständige ASTRA, das Bundesamt für Strassen, vor allem eine zentrale Frage im Raum: Kann die Strasse rasch wieder geöffnet werden – oder besteht weiterhin akute Gefahr? 

Fundierte Erstbeurteilung unter Zeitdruck  
 

Das ASTRA hat die Fachleute der GEOTEST unmittelbar aufgeboten, um die Situation vor Ort zu beurteilen. In der Felsböschung um den Ausbruch identifizierten sie frische Risse und Versätze in der Felswand – klare Hinweise auf neue Bewegungen im Gestein. 

Die Felswand direkt nach dem Ereignis, mit Spezialisten der GEOTEST vor Ort. Im rechten Bereich ist eine Stelle zu sehen, welche bereits früher nach einem Blockschlagereignis gesichert worden war.

Die Felswand direkt nach dem Ereignis, mit Spezialisten der GEOTEST vor Ort. Im rechten Bereich ist eine Stelle zu sehen, welche bereits früher nach einem Blockschlagereignis gesichert worden war.

Die metermächtigen Kalkbänke liegen auf dünnen Schichten aus Kalkstein und Mergel. Letztere sind weicher und verwittern schneller. Dadurch bilden sich instabile Überhänge, welche abbrechen und auf die Strasse fallen können.

Die metermächtigen Kalkbänke liegen auf dünnen Schichten aus Kalkstein und Mergel. Letztere sind weicher und verwittern schneller. Dadurch bilden sich instabile Überhänge, welche abbrechen und auf die Strasse fallen können.

Die unteren Schichten sind aufgrund der weichen Mergellagen (beim Zeigefinger) verwitterungsanfällig. Auf dem Bild ist zudem ersichtlich, wie die Zentimeter dünnen Kalkschichten aufgrund der Auflast senkrecht zerbrechen.

Die unteren Schichten sind aufgrund der weichen Mergellagen (beim Zeigefinger) verwitterungsanfällig. Auf dem Bild ist zudem ersichtlich, wie die Zentimeter dünnen Kalkschichten aufgrund der Auflast senkrecht zerbrechen.

Auf Grundlage dieser Einschätzung entwickelte die GEOTEST verschiedene Ereignisszenarien, die als Entscheidungsbasis für das weitere Vorgehen dienten. 

Es musste schnell entschieden werden, ob die Strasse wieder geöffnet werden kann oder ob das Risiko für Nachbrüche zu gross ist.

– Projektleiterin Giacomina Bucher zur Situation.

Die talseitige Fahrbahn konnte daraufhin unter Beobachtung wieder freigegeben werden, während die bergseitige Spur aus Sicherheitsgründen gesperrt blieb. Ergänzend wurde in der Felswand ein Überwachungssystem eingerichtet, das im Falle weiterer Bewegungen eine sofortige Sperrung ermöglicht hätte.

Durch den Blockschlag löste sich Gestein von insgesamt 6 m3 aus der Wand und stürzte auf die Strasse.

Durch den Blockschlag löste sich Gestein von insgesamt 6 m3 aus der Wand und stürzte auf die Strasse.

Geologische Herausforderungen klar erkannt 


Die detaillierte Analyse zeigte, dass die Ursache des Ereignisses tief in der Struktur des Felsens lag. Verwitterungsanfällige Mergelschichten sowie ungünstig orientierte Kluftscharen führten dazu, dass sich potenziell instabile Felspartien über die gesamte Strassenböschung hinweg erstreckten. Frische Risse deuteten darauf hin, dass zeitnah auch mit grösseren Ausbrüchen aus der Böschung gerechnet werden muss.

Diese Erkenntnisse waren entscheidend: Die Gefahr weiterer Abbrüche – auch mit grösseren Blöcken, die bis auf die offene Fahrspur gelangen könnten – musste als real eingestuft werden. 

Die Geologinnen und Geologen untersuchten die Felswand nach dem Ereignis systematisch auf weitere Instabilitäten und potenzielle Abbruchstellen.

Die Geologinnen und Geologen untersuchten die Felswand nach dem Ereignis systematisch auf weitere Instabilitäten und potenzielle Abbruchstellen.

Der Weg zu einer nachhaltig sicheren Lösung 


Um die Strasse wieder vollständig zweispurig befahrbar zu machen, reichten temporäre Sicherungen nicht aus. In enger Zusammenarbeit mit dem ASTRA und den Projektbeteiligten wurden verschiedene Varianten für die Sofortmassnahme geprüft. 

Eine zentrale Rahmenbedingung war dabei klar: Eine Totalsperre der stark frequentierten Verkehrsachse muss vermieden werden. 
 

Unter diesen Voraussetzungen erwies sich der vollständige Abbau der instabilen Felsböschung als Bestvariante. Andere Lösungen wie Verankerungen oder aufwändige Sicherungsbauwerke hätten deutlich mehr Zeit und Platz beansprucht und eine längere Totalsperrung erfordert. 

Die bergseitige Fahrbahn wurde für den Verkehr gesperrt und mit einem Alarmsystem versehen.

Die bergseitige Fahrbahn wurde für den Verkehr gesperrt und mit einem Alarmsystem versehen.

Geologische Begleitung und Modellierung
 

Die GEOTEST übernahm in der Folge eine Schlüsselrolle bei der Planung und Umsetzung der Massnahmen. Dazu gehörten:

 
  • Das Erarbeiten der strukturgeologischen Voraussetzungen für die Abbauplanung  

  • die kontinuierliche geologische Begleitung der Arbeiten vor Ort  

  • zahlreiche Begehungen und Lagebeurteilungen  

  • die Beratung in sicherheitsrelevanten Fragestellungen  

  • Steinschlagmodellierungen zur Dimensionierung von Wandhöhen und Bermen  

Die Prognosen bestätigten sich während des Abbaus: Die angetroffenen Kluftstrukturen entsprachen weitgehend den vorgängig entwickelten Modellen. 

Die fast vertikalen Kluftstrukturen (grün) in Kombination mit den fast horizontalen Schichtungen (rot gestrichelt) verursachen Instabilitäten in der Felswand.

Die fast vertikalen Kluftstrukturen (grün) in Kombination mit den fast horizontalen Schichtungen (rot gestrichelt) verursachen Instabilitäten in der Felswand.

Aufgrund der subvertikalen Kluftstrukturen im Felsinnern wäre ein einfacher Abtrag entlang der schwarz gestrichelten Linie nicht zielführend, da dadurch ein Abrutschen von Felskeilen (gelb) entlang dieser Klüfte begünstigt würden. So wurde der Abbau entlang der grünen Linien geplant, sodass ein solcher Felskeil nicht entstehen konnte.

Aufgrund der subvertikalen Kluftstrukturen im Felsinnern wäre ein einfacher Abtrag entlang der schwarz gestrichelten Linie nicht zielführend, da dadurch ein Abrutschen von Felskeilen (gelb) entlang dieser Klüfte begünstigt würden. So wurde der Abbau entlang der grünen Linien geplant, sodass ein solcher Felskeil nicht entstehen konnte.

Nachhaltige Sicherung der Strecke 
 

Im Zuge der Arbeiten wurde sämtliches instabiles Material entfernt und die Böschung durch Terrassierungen (Bermen) strukturiert. Ergänzend kamen Überrollschutzzäune zum Einsatz. Verwitterungsanfällige Mergelbereiche wurden gezielt mit Spritzbeton versiegelt, um künftige Verwitterungsprozesse zu verhindern. 

Die Böschung wurde terrassiert...

Die Böschung wurde terrassiert...

...und mit Schutzzäunen gesichert.

...und mit Schutzzäunen gesichert.

Heute ist die Böschung wieder bepflanzt und landschaftlich integriert. Die A8 Brünigstrasse ist zweispurig befahrbar und langfristig gesichert. 

Ein Jahr später befindet sich die Vegetation auf der Böschung in der Anwuchsphase.

Ein Jahr später befindet sich die Vegetation auf der Böschung in der Anwuchsphase.

Erkenntnisse für die Zukunft 
 

Das Ereignis vom Juli 2025 sowie frühere Ereignisse zeigen die Wichtigkeit einer regelmässigen Beurteilung und Felsreinigung, wie sie an vielen Strassenböschungen entlang der Brünigstrasse ausgeführt wird. Gleichzeitig zeigt das Ereignis, dass trotz systematischer Umsetzung verschiedener Massnahmen nicht sämtliche Gefährdungen eliminiert, werden können. 

Zugleich unterstreicht das Projekt die Bedeutung schneller, fundierter Entscheidungen und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich aus einem Einzelereignis eine komplexe Sofortmassnahme – mit dem Ziel, Sicherheit und Verfügbarkeit der wichtigen Verkehrsachse gleichermassen zu gewährleisten. 

Seit Dezember 2025 ist die Brünigstrasse wieder problemlos befahrbar.

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Referenzen

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