Von -1’500 auf 3’818.4 m ü. M. – eine Risikoreise
Exkursionstag: Besuch der Schweizer Salinen, Erkundung des Tongrube Gruhalde und ein reger Austausch untereinander
Der erste Tag stand ganz im Zeichen des direkten Einblicks in geologische Prozesse, die Salzgewinnung und Bohrstellengeologie. Bei windigem, aber sonnigem Wetter führte die Exkursion durch unterschiedliche Stationen der Salzgewinnung und des Gesteinsabbaus – von der Entstehung klastischer, biogener und evaporitischer Sedimentgesteine bis hin zu deren industriellen Nutzung.
Die Führungen wurden von Dr. Johannes Pietsch, Leiter Geologie bei der Schweizer Salinen AG, sowie Moira Arnet und Felix Bussmann von GEOTEST Basel geleitet. Durch ihre unterschiedlichen fachlichen Perspektiven entstand eine abwechslungsreiche und praxisnahe Vermittlung der Inhalte.
Der Vormittag begann bei den Schweizer Salinen und an einer Bohrstelle, wo die Teilnehmenden Einblicke in die Gewinnung und Produktion von Salz erhielten. Besonders eindrücklich waren die Dimensionen der Salzlager und der direkte Einblick in die Infrastruktur vor Ort. Das Stehen in der Lagerhalle vor den grossen Salzmengen vermittelte die Grössenordnung der Produktion eindrücklich. Ergänzt wurden diese Eindrücke durch Informationen zum Lösungsbergbau, zu Produktionsbohrungen sowie zum Lebenszyklus von Kavernen – von der Planung bis zum späteren Verschluss.
An Ort und Stelle wurde erklärt, wie sich das Steinsalz durch Zugabe von Frischwasser über die Bohrlöcher auflöst. Im Untergrund entstehen dadurch flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Kavernen), die kontrolliert entwickelt werden.
Die Besichtigung der Bohrstelle ermöglichte anschliessend einen praxisnahen Einblick in die technische Umsetzung der Salzgewinnung. Themen wie Bohrverfahren, Verrohrungsschemen und geologische Rahmenbedingungen wurden direkt vor Ort erläutert und machten die theoretischen Grundlagen greifbar.
Im Hintergrund ist eine aktive Bohrung im Gange, während Moira Arnet der interessierten Gruppe die Abläufe und Prozesse erklärt.
Am Nachmittag führte die Exkursion weiter in die Tongrube Gruhalde (Frick AG), wo die Geologie des Tafeljuras und die Ablagerungsbedingungen vom Keuper bis zum Lias im Gelände sichtbar wurden. Die Verbindung zwischen regionaler Geologie, Rohstoffabbau und landschaftlicher Entwicklung konnte direkt im Gelände nachvollzogen werden und bot vielfältige Möglichkeiten für Diskussionen und Fragen.
Ob Fossilien suchen, die verschiedenen Erdschichten untersuchen oder die Sonne bei einem gemeinsamen Schwatz geniessen – es war für jeden was dabei.
Neben den fachlichen Inhalten prägte vor allem die Atmosphäre den Tag. Mitarbeitende aus allen sieben Standorten nahmen teil, wodurch zahlreiche Gespräche und fachliche Diskussionen entstanden. Der Austausch erfolgte standortübergreifend und teilweise auch bereichsübergreifend – ein Aspekt, der den Wert solcher Weiterbildungen zusätzlich unterstrich. Die offene Stimmung und die gemeinsame Zeit im Gelände förderten den informellen Wissenstransfer ebenso wie die persönliche Vernetzung.
Eine tolle Exkursion, die nicht nur die Zusammengehörigkeit gestärkt hat, sondern auch viele interessante Inputs bot.
Seminarteil: von -1’500 auf 3’818.4 m ü. M. – eine Risikoreise
Der zweite Weiterbildungstag widmete sich dem Umgang mit Risiken und Unsicherheiten im geologischen und naturgefahrenbezogenen Umfeld. Im Zentrum stand die Frage, wie Risiken erkannt, bewertet und transparent kommuniziert werden können. Dabei wurde deutlich, dass Risiken nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern stets auch mit Chancen verbunden sind.
Lösungen werden gemeinsam gefunden – hier im Aktivierungsspiel zum Start.
Die verschiedenen Referate und Praxisbeispiele zeigten auf, wie ein integrales Risikomanagement als wichtiger Kompass für fundierte Entscheidungen dient. Fachliche Unsicherheiten werden dabei nicht ausgeblendet, sondern bewusst offengelegt und nachvollziehbar dargestellt. Diese Transparenz schafft die Grundlage für einen offenen Risikodialog mit Kunden, Behörden und weiteren Stakeholdern.
Die anschliessenden Präsentationen beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und zeigten anhand konkreter Beispiele, wie Risiken und Unsicherheiten in der Praxis beurteilt und kommuniziert werden.
Florentin Ladner – Das Spannungsfeld «Ingenieurgeologie – Geotechnik – Hydrogeologie»
Salzkavernen bieten grosses Potenzial für die Energiespeicherung der Zukunft. Sie können nicht nur für Gas oder Öl, sondern auch für Wasserstoff, Druckluft oder Wärme genutzt werden und tragen damit zur nachhaltigen Energieversorgung bei.
Ein aktuelles Beispiel zeigt die Möglichkeiten thermischer Speicher im Schichtsalz, die saisonale Energieüberschüsse nutzbar machen könnten. Gleichzeitig sind solche Projekte mit Unsicherheiten verbunden: Geologische Bedingungen, technische Grenzen und Umweltaspekte wie Grundwasserschutz müssen sorgfältig geprüft werden.
Die Nachsorge bestehender Kavernen verdeutlicht zudem die Risiken: Instabile Strukturen können zu Verbrüchen und zur Beeinträchtigung des Grundwassers führen. Entscheidend ist daher ein ganzheitlicher Ansatz, der Geologie, Geotechnik und Hydrogeologie vereint und Risiken frühzeitig erkennt und steuert.
Der Untergrund bietet grosse Chancen, erfordert aber ein fundiertes Verständnis und interdisziplinäre Zusammenarbeit, um langfristig sichere und nachhaltige Lösungen zu gewährleisten.
Nicolas Stork – Dichtestress an der Oberfläche? Rohstoffabbau im Untertag – die Lösung
Die Sicherstellung der Rohstoffversorgung bei gleichzeitig steigenden Umweltanforderungen stellt die Branche vor grosse Herausforderungen. In seiner Präsentation zeigte Nicolas Stork auf, wie der Untertagabbau eine innovative und nachhaltige Alternative zum klassischen Tagebau bietet. Anhand konkreter Projekte wurde deutlich, wie sich Umweltbelastungen reduzieren und gleichzeitig die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen lassen.
Daniel Bieri - Sicherheitskonzepte auf Gebirgsbaustellen
Im Input von Daniel Bieri lag der Schwerpunkt auf der kontinuierlichen Weiterentwicklung unserer Sicherheitskonzepte für Feldarbeiten. Mit klar definierten Abläufen, systematischer Gefährdungsermittlung und praxisnahen Massnahmen gewährleistet die GEOTEST höchste Sicherheitsstandards für ihre Teams sowie Dritten im Einsatz. Dabei werden interne Richtlinien mit branchenspezifischen Vorgaben und modernsten Hilfsmitteln kombiniert. Für Kundinnen und Kunden der GEOTEST bedeutet dies: Projekte werden nicht nur fachlich fundiert, sondern auch unter höchsten Sicherheitsansprüchen umgesetzt.
Kaspar Graf – Bauen im Hochgebirge
Bauen im Hochgebirge ist weit mehr als «Bauen unter erschwerten Bedingungen». Extreme Höhenlagen, Wind, Kälte sowie anspruchsvolle Logistik stellen hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Baustellen sind oft schwer zugänglich, der Platz ist knapp und die Arbeiten erfolgen teilweise unter laufendem Betrieb. Dies führt zu erhöhtem Sicherheitsbedarf, reduzierter Leistungsfähigkeit und höheren Anforderungen an alle Beteiligten.
Anhand von Projekten wie der Schilthornbahn und der Glacier Ride am Klein Matterhorn wird deutlich, wie ingenieurgeologisches Know-how und innovative Lösungen diese Herausforderungen meistern. Präzise Baugrundbeurteilungen, sorgfältige Planung und eine angepasste Bauausführung sind entscheidend, um Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.
Auch im Hochgebirge bleiben die fachlichen Grundlagen gleich – entscheidend sind die angepassten Lösungen für die besonderen Randbedingungen wie Exponiertheit, Logistik und Sicherheit.
Fazit
Die Journée de Formation 2026 zeigte eindrücklich, wie wertvoll die Verbindung von praktischen Exkursionen, fachlichem Austausch und theoretischer Vertiefung ist. Die Kombination aus Geländeerfahrung, Praxisbezug und methodischer Weiterentwicklung ermöglichte vielfältige Perspektiven auf geologische und naturgefahrenbezogene Themen.
Neben dem fachlichen Mehrwert stand insbesondere der standortübergreifende Austausch im Mittelpunkt. Begegnungen, Diskussionen und gemeinsame Erfahrungen stärkten die Vernetzung innerhalb des Unternehmens und förderten den Wissenstransfer über Fachbereiche hinweg.
Ein Gedanke zog sich dabei wie ein roter Faden durch die Weiterbildung: Transparenz schafft Vertrauen. Sei es in der Kommunikation von Risiken, im Umgang mit Unsicherheiten oder in der Zusammenarbeit zwischen Fachpersonen – nachvollziehbare Prozesse und offener Austausch bilden die Grundlage für fundierte Entscheidungen und erfolgreiche Zusammenarbeit.
Damit schloss sich auch der Kreis der «Risikoreise»: Von den geologischen Prozessen im Untergrund über die Gewinnung natürlicher Ressourcen bis hin zur Beurteilung und Kommunikation von Risiken wurde deutlich, dass Unsicherheiten ein fester Bestandteil unserer Arbeit sind. Entscheidend ist nicht, sie zu vermeiden, sondern sie zu verstehen, transparent zu machen und gemeinsam mit allen Beteiligten verantwortungsvoll damit umzugehen.
Gruppenfoto vor einem mächtigen Salzberg.

















